Zitadelle, Muhammad-Ali-Moschee und Alt-Kairo: Kairo von seiner historischen Seite
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Motiv: Zitadelle mit Muhammad-Ali-Moschee und dem Häusermeer von Kairo im Hintergrund
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Alt-Text: Zitadelle von Kairo mit der Muhammad-Ali-Moschee und der Stadt im Hintergrund
Wer nach Kairo reist, kommt an den 🟨 Pyramiden von Gizeh kaum vorbei. Das ist auch gut so. Nur sollte danach nicht der Eindruck entstehen, Ägyptens Geschichte habe mit Cheops, Chafre und Tutanchamun bereits alles Wesentliche erzählt. Kairo selbst erzählt eine Geschichte, die deutlich jünger ist und mindestens ebenso viel über das Land verrät.
Ein besonders schöner Einstieg in dieses andere Kairo ist die Zitadelle mit der Muhammad-Ali-Moschee und anschliessend ein Spaziergang durch Alt-Kairo. Zwischen mittelalterlichen Festungsmauern, osmanischer Architektur, koptischen Kirchen und den Überresten von Fustat begegnet man mehreren Jahrhunderten Geschichte und bekommt ganz nebenbei einen ziemlich guten Eindruck davon, wie vielfältig diese Stadt ist.
Die Zitadelle: Kairo liegt einem zu Füssen
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Motiv: Panoramablick von der Zitadelle über Kairo, idealerweise mit den Pyramiden in der Ferne
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Alt-Text: Blick von der Zitadelle über Kairo bis zu den Pyramiden von Gizeh
Die Zitadelle von Saladin sitzt hoch über der Stadt auf den Muqattam-Hügeln. Als Saladin sie im 12. Jahrhundert errichten liess, war der Blick über Kairo natürlich nicht als touristische Attraktion gedacht. Die Lage war strategisch günstig, die Festung sollte die Stadt schützen und wurde später zum Sitz der ägyptischen Herrscher. Heute schlendert man durch eine Anlage mit Moscheen und historischen Gebäuden und kann dabei immer wieder über die Dächer Kairos schauen.
Bei klarer Sicht sind sogar die Pyramiden von Gizeh zu erkennen. Das ist einer dieser Momente, in denen die Dimensionen ägyptischer Geschichte fast ein wenig absurd wirken: Vorne liegt eine moderne Millionenstadt, irgendwo dahinter stehen Bauwerke, die vor mehr als 4.500 Jahren errichtet wurden, und man selbst befindet sich auf einer Festung aus dem Mittelalter. Für den ersten Überblick über Kairo gibt es schlechtere Plätze. Wesentlich schlechtere.
Das bekannteste Gebäude der Zitadelle ist die Muhammad-Ali-Moschee. Ihre grosse Kuppel und die beiden Minarette gehören zu den Wahrzeichen der Stadt und sind schon aus einiger Entfernung gut zu erkennen. Muhammad Ali Pascha liess die Moschee ab 1830 errichten. Mit dem „alten Ägypten“ der Pharaonen hat sie also herzlich wenig zu tun – und genau das ist eigentlich das Interessante daran. Die Pyramiden waren bereits seit Jahrtausenden alt, als hier die ersten Steine gesetzt wurden.
Die Muhammad-Ali-Moschee: viel Kuppel, viel Licht
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Motiv: Innenraum der Muhammad-Ali-Moschee mit Kuppel und Kronleuchtern
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Alt-Text: Innenraum der Muhammad-Ali-Moschee auf der Zitadelle von Kairo
Architektonisch orientiert sich die Moschee an osmanischen Vorbildern. Im Inneren bestimmen die grosse zentrale Kuppel, Halbkuppeln, zahlreiche Fenster und gewaltige Kronleuchter den Raum. Wir empfehlen, sich hier einen Moment umzusehen, bevor die nächste Fotoposition aufgesucht wird. Das Foto läuft schliesslich nicht weg.
Auch der Innenhof lohnt einen Blick. Dort steht eine Uhr, die der französische König Louis-Philippe Muhammad Ali schenkte. Frankreich bekam dafür einen Obelisken aus Luxor, der heute auf der Place de la Concorde steht. Ein ziemlich bemerkenswerter Tausch: Frankreich bekam einen mehrere tausend Jahre alten Obelisken, Ägypten eine Uhr, die heute vermutlich vor allem wegen ihrer Geschichte interessant ist. Immerhin kann man das Ergebnis dieses Geschäfts in zwei Hauptstädten bewundern.
Muhammad Ali selbst wurde in der Moschee beigesetzt.
Wer etwas Zeit mitbringt, sollte sich auf der Zitadelle allerdings nicht auf die berühmte Kuppel beschränken. Die Moschee von Sultan an-Nasir Muhammad stammt aus der Mamlukenzeit und vermittelt ein ganz anderes Bild islamischer Architektur, während die Sulayman-Pascha-Moschee aus dem 16. Jahrhundert den osmanischen Einfluss zeigt. Die Unterschiede sind durchaus mit blossem Auge zu erkennen – man muss dafür keinen historischen Vortrag besuchen. Ein bisschen Neugier reicht völlig.
Alt-Kairo: Geschichte, die nicht im Museum sitzt
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Motiv: Authentische historische Gasse in Alt-Kairo mit Menschen und Alltag, kein gestelltes Touristenmotiv
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Alt-Text: Historische Gasse in Alt-Kairo mit traditioneller Bebauung und alltäglichem Stadtleben
Von der Zitadelle geht es weiter nach Alt-Kairo, und spätestens hier verabschiedet man sich endgültig von der Vorstellung, Kairo sei lediglich das Sprungbrett zu den Pyramiden. Alt-Kairo ist kein perfekt konserviertes historisches Viertel, in dem alles aussieht, als hätte gestern der letzte Bewohner das Licht gelöscht. Es ist ein lebendiger Teil der Stadt, in dem historische Gebäude und ganz gewöhnlicher Alltag nebeneinander existieren.
Genau das macht den Besuch reizvoll – und gelegentlich auch etwas unübersichtlich.
Eine wichtige Rolle spielt al-Fustat, das im 7. Jahrhundert gegründet wurde und als erste islamische Hauptstadt Ägyptens gilt. Später entstand weiter nördlich das fatimidische Kairo, und über die Jahrhunderte wuchsen die verschiedenen Stadtbereiche immer stärker zusammen. Das heutige Kairo ist deshalb ein ziemlich umfangreiches Geschichtsbuch, bei dem niemand darauf geachtet hat, die Kapitel sauber voneinander zu trennen. Dafür ist es deutlich unterhaltsamer als die meisten Geschichtsbücher.
Besonders interessant wird es im Koptischen Kairo. Hier liegen mehrere bedeutende christliche Kirchen dicht beieinander, darunter die Hängende Kirche und die Kirche von Abu Serga. Die Hängende Kirche wurde über Teilen der römischen Festung Babylon errichtet. Im Inneren geht es wesentlich ruhiger zu als in der Muhammad-Ali-Moschee: Ikonen, Holzarbeiten und kunstvoll gestaltete Details belohnen einen genaueren Blick. Hier muss nichts riesig sein, um Eindruck zu machen.
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Motiv: Hängende Kirche, vorzugsweise eine charakteristische Innen- oder Aussenansicht
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Alt-Text: Hängende Kirche im Koptischen Kairo
In der nahe gelegenen Kirche von Abu Serga lebt eine der bekanntesten koptischen Überlieferungen fort: Die Heilige Familie soll während ihrer Flucht nach Ägypten hier Zuflucht gefunden haben. Ob diese Geschichte historisch belegt ist, lässt sich nicht eindeutig sagen; für die koptische Tradition und die Bedeutung der Kirche spielt sie jedoch eine wichtige Rolle. Und genau solche Verbindungen machen Alt-Kairo interessant.
Innerhalb weniger Minuten wechselt man von römischer Geschichte zu koptischem Christentum und weiter zur frühen islamischen Stadtgeschichte. In Kairo kann das durchaus passieren, ohne dass man dafür den ganzen Tag im Taxi verbringen muss.
Wie viel Zeit sollte man einplanen?
Für die Zitadelle und einen ersten Rundgang durch Alt-Kairo sollte man einen halben Tag einplanen. Wer die verschiedenen Moscheen genauer ansehen, Fustat besuchen oder noch ein Museum einbauen möchte, ist mit einem ganzen Tag besser beraten. Wir empfehlen, morgens auf der Zitadelle zu beginnen und anschliessend nach Alt-Kairo weiterzufahren.
Wer sich für Architektur interessiert, kann die Sultan-Hassan-Moschee und die al-Rifa’i-Moschee ergänzen, die unterhalb der Zitadelle direkt gegenüberliegen. Einen Überblick über weitere kulturelle Ziele bietet die 🟨 Famco-Seite zu den kulturellen Ausflügen in Ägypten.
Bei der Planung sollte man allerdings eine typisch ägyptische Variable nicht vergessen: den Verkehr. Was auf dem Stadtplan nach einer kurzen Strecke aussieht, kann in Kairo durchaus zu einem kleinen Ausflug innerhalb des Ausflugs werden. Dazu kommen Hitze und Menschenmengen. Ein Programm mit drei Sehenswürdigkeiten am Vormittag garantiert deshalb vor allem, dass man spätestens am Nachmittag keine weitere mehr sehen möchte. Weniger ist hier tatsächlich mehr.
Unser Tipp für diesen Kairo-Tag
Zitadelle und Alt-Kairo sind besonders dann lohnend, wenn man Ägypten nicht nur als Schauplatz der Pharaonen kennenlernen möchte. Die Pyramiden erzählen von einer Welt, die mehr als vier Jahrtausende zurückliegt. Auf der Zitadelle begegnet man dagegen dem mittelalterlichen Kairo, der Mamlukenzeit und dem Ägypten des 19. Jahrhunderts; in Alt-Kairo kommen die frühe islamische Geschichte und die jahrhundertealte koptische Tradition hinzu.
Wir würden diesen Ausflug deshalb nicht einfach zwischen zwei grössere Programmpunkte quetschen. Die Stadtgeschichte Kairos erschliesst sich besser, wenn man zwischendurch auch einmal stehen bleibt, den Blick schweifen lässt und sich bewusst macht, auf wie vielen historischen Schichten man gerade unterwegs ist. Die Pyramiden sind zweifellos der Grund, warum viele Menschen nach Ägypten kommen. Die Zitadelle und Alt-Kairo sind einer der Gründe, warum sie sich danach freuen, etwas länger geblieben zu sein.
