Ägypten abseits der Klassiker: Orte, die man leicht übersieht

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Motiv: Weite ägyptische Landschaft, idealerweise eine Kombination aus Wüste und Rotem Meer oder eine weniger bekannte historische Sehenswürdigkeit
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Alt-Text: Landschaft in Ägypten abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten

Pyramiden, Sphinx, Tal der Könige, Karnak – Ägypten hat Sehenswürdigkeiten, die man kaum noch vorstellen muss. Sie stehen seit Jahrhunderten beziehungsweise Jahrtausenden in den Reiseführern und haben ihren Platz dort durchaus verdient. Trotzdem wäre es schade, eine Ägyptenreise auf die grossen Klassiker zu reduzieren. Zwischen den berühmten Monumenten liegen Orte, die eine ganz andere Seite des Landes zeigen: kleine Hafenstädte am Roten Meer, abgelegene Klöster, ungewöhnliche Wüstenlandschaften und Tempel, die zwar keineswegs unbekannt, aber erstaunlich leicht zu übersehen sind.

Wer etwas mehr Zeit mitbringt oder einfach keine Lust hat, jede Reise nach demselben Muster zu absolvieren, findet deshalb erstaunlich viele Alternativen. Einige lassen sich von Hurghada und der Küste des Roten Meeres gut erreichen, andere verlangen etwas mehr Zeit und gehören eher auf die Liste für eine nächste Ägyptenreise.

El Quseir: Ägyptens Rotes Meer mit Geschichte

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Motiv: Historische Altstadt von El Quseir mit traditionellen Häusern oder Hafenansicht
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Alt-Text: Historische Altstadt von El Quseir am Roten Meer

Wer in Hurghada oder an der Küste des Roten Meeres Urlaub macht, kennt meist vor allem Strände, Hotels und Korallenriffe. El Quseir zeigt, dass diese Küste auch eine Geschichte hat, die weit über den modernen Badeurlaub hinausgeht. Die Hafenstadt südlich von Hurghada war über Jahrhunderte ein wichtiger Anlaufpunkt am Roten Meer; heute kann man durch die historische Altstadt schlendern, traditionelle Häuser entdecken und einen Eindruck davon bekommen, wie eine ägyptische Küstenstadt aussieht, wenn nicht gerade eine Hotelanlage das Bild bestimmt.

Auch eine osmanische Festung gehört zum historischen Erbe der Stadt. El Quseir ist dabei kein Ort, an dem man unbedingt einen ganzen Tag lang Sehenswürdigkeiten abhaken muss. Gerade das macht den Reiz aus. Ein Spaziergang durch die alten Gassen, ein Blick auf das Meer und etwas Zeit für die Atmosphäre reichen oft völlig aus. Wer einen Tag am Roten Meer einmal ohne Hotelbuffet, Pool und Animationsprogramm verbringen möchte, findet in einem 🟨 [Ausflug nach El Quseir] eine ziemlich angenehme Abwechslung.

Kloster St. Paul: Christliches Ägypten mitten in der Wüste

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Motiv: Kloster St. Paul vor der Wüstenlandschaft oder Innenhof mit Kirche
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Alt-Text: Kloster St. Paul in der ägyptischen Wüste

Ein Kloster mitten in der Wüste klingt zunächst nach einem Ort, den man nicht unbedingt auf einer klassischen Ägyptenreise erwartet. Genau deshalb lohnt sich der Besuch des Klosters St. Paul. Es liegt in der östlichen Wüste und gehört zusammen mit dem Kloster St. Antonius zu den bedeutenden Zeugnissen des christlichen Mönchtums in Ägypten.

Das Kloster St. Paul wurde im 4. Jahrhundert gegründet und entstand über der Höhle, in der der ägyptische Einsiedler Paulus von Theben einen grossen Teil seines Lebens verbracht haben soll. Zur Anlage gehören mehrere Kirchen, Gärten und weitere historische Gebäude; besonders bemerkenswert sind die erhaltenen Wandmalereien und natürlich die abgeschiedene Lage.

Schon die Fahrt dorthin gehört zum Erlebnis. Die Landschaft wird immer karger, der Verkehr nimmt ab und irgendwann besteht die Umgebung tatsächlich nur noch aus Fels, Sand und Himmel. Das ist ein ziemlich guter Moment, um sich daran zu erinnern, dass Ägypten nicht nur aus Tempeln und Souks besteht, sondern auch eine jahrtausendealte christliche Tradition besitzt.

Wer sich für religiöse Geschichte interessiert, kann den Besuch mit dem nahe gelegenen Kloster St. Antonius verbinden. Beide Klöster liegen in derselben Wüstenregion und gehören zu den bedeutendsten historischen Klosteranlagen Ägyptens. Ein 🟨 [Ausflug zu den Klöstern St. Paul und St. Antonius] lässt sich deshalb besonders gut mit einem Tag in der östlichen Wüste verbinden.

Dahschur: Pyramiden ohne den grossen Auftritt

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Motiv: Rote Pyramide oder Knickpyramide in der offenen Wüstenlandschaft
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Alt-Text: Rote Pyramide von Dahschur in der ägyptischen Wüste

Die Pyramiden von Gizeh sind weltberühmt und entsprechend gut besucht. Wer dagegen einmal eine Pyramide sehen möchte, ohne dass sich rundherum ständig jemand ins eigene Urlaubsfoto schiebt, sollte Dahschur kennenlernen.

Südlich von Kairo stehen hier unter anderem die Knickpyramide und die Rote Pyramide. Besonders interessant ist Dahschur für alle, die sich nicht nur für die Grösse der Pyramiden interessieren, sondern dafür, wie die alten Ägypter überhaupt herausfanden, wie man solche Bauwerke errichtet. Die Knickpyramide zeigt mit ihrem charakteristischen Wechsel des Neigungswinkels ziemlich anschaulich, dass der Weg zur klassischen Pyramidenform offenbar nicht ganz ohne Experimente verlief.

Dahschur ist deshalb weniger eine Alternative zu Gizeh als eine hervorragende Ergänzung. Wer beide Orte besucht, bekommt einen besseren Eindruck von der Entwicklung der Pyramidenarchitektur – und in Dahschur deutlich mehr Wüste um das Monument herum. Wer sich für die verschiedenen Pyramidenanlagen rund um Kairo interessiert, kann Dahschur deshalb gut mit einem 🟨 [Ausflug zu den Pyramiden von Kairo] verbinden.

Wadi El Gemal: Wüste trifft Rotes Meer

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Motiv: Landschaft des Wadi-El-Gemal-Nationalparks mit Wüste, Bergen oder Küste
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Alt-Text: Landschaft im Wadi-El-Gemal-Nationalpark bei Marsa Alam

Südlich von Marsa Alam beginnt eine Landschaft, die mit dem klassischen Bild eines Badeurlaubs wenig zu tun hat. Der Wadi-El-Gemal-Nationalpark verbindet Wüste, Berge und Küste und gehört zu den interessantesten Naturräumen am Roten Meer. Hier geht es nicht darum, möglichst schnell von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten zu kommen; die Landschaft selbst ist das Ziel.

Neben der Natur gehört auch das Leben der Beduinen zur Geschichte dieser Region. Je nach Route können Ausflüge Wüstenlandschaften, Berge, Küste und Einblicke in die lokale Kultur miteinander verbinden. Eine Kamelsafari oder der Besuch einer Beduinengemeinschaft sind dabei Möglichkeiten, die Region kennenzulernen, ohne sie auf eine weitere Ansammlung von Fotostopps zu reduzieren.

Wer nach einem Tag am Strand einmal etwas völlig anderes sehen möchte, findet hier eine erstaunlich gute Antwort. Und spätestens wenn die Wüste am späten Nachmittag langsam ihre Farbe verändert, wirkt die Entscheidung, den Hotelpool einmal zu verlassen, ausgesprochen vernünftig. Mehr über die Region und passende 🟨 [Ausflüge im Wadi-El-Gemal-Nationalpark] finden Sie in unserem entsprechenden Beitrag.

Marsa Mubarak und Abu Dabbab: Das Rote Meer unter der Wasseroberfläche

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Motiv: Meeresschildkröte beim Schnorcheln in Abu Dabbab oder Marsa Mubarak
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Alt-Text: Meeresschildkröte beim Schnorcheln vor Marsa Alam

Marsa Mubarak und Abu Dabbab lassen sich nicht wirklich als „unentdeckte Schätze“ bezeichnen. Dafür sind beide Ziele unter Schnorchlern längst bekannt. Interessant sind sie trotzdem, denn wer nur am Strand liegt, bekommt vom eigentlichen Reichtum des Roten Meeres bestenfalls die Hälfte mit.

Vor Marsa Alam gehören Meeresschildkröten zu den faszinierenden Bewohnern der Unterwasserwelt, die man mit etwas Glück beim Schnorcheln beobachten kann. Abu Dabbab ist ebenfalls für seine Schildkröten bekannt und bietet eine vergleichsweise leicht zugängliche Möglichkeit, die Unterwasserwelt des Roten Meeres kennenzulernen. Wer sich genauer dafür interessiert, findet mehr über das 🟨 [Schnorcheln mit Schildkröten in Ägypten] in unserem entsprechenden Beitrag.

Gerade hier lohnt sich allerdings ein wenig Zurückhaltung. Meeresschildkröten sind keine Unterwasser-Attraktionen, die auf Kommando erscheinen müssen, und man sollte ihnen genügend Abstand lassen. Ein gutes Schnorchelerlebnis besteht nicht darin, möglichst nah an ein Tier heranzukommen, sondern darin, es möglichst wenig zu stören.

Alt-Kairo: Zwischen Moscheen, Kirchen und alten Stadtmauern

Alt-Kairo ist ebenfalls kein Geheimtipp im eigentlichen Sinn. Wer allerdings nur wegen der Pyramiden nach Kairo kommt, lässt diesen Teil der Stadt erstaunlich häufig aus. Das ist schade, denn hier zeigt sich ein Ägypten, das mit der Welt der Pharaonen wenig zu tun hat und trotzdem für das Verständnis des Landes mindestens genauso wichtig ist.

Die 🟨 Zitadelle von Saladin, Muhammad-Ali-Moschee und Alt-Kairo thront über der Stadt, die Muhammad-Ali-Moschee gehört zu den bekanntesten Bauwerken Kairos, und im Koptischen Kairo liegen bedeutende Kirchen wie die Hängende Kirche und Abu Serga. Dazwischen liegen Jahrhunderte islamischer und christlicher Geschichte, die sich hier nicht fein säuberlich voneinander trennen lassen.

Wer Kairo bereits kennt oder bei einem ersten Besuch etwas mehr als Pyramiden und Ägyptisches Museum sehen möchte, sollte diesen Teil der Stadt deshalb nicht als Zusatzprogramm betrachten. Er ist ein eigenes Kapitel.

Dendera: Ein Tempel, der mehr Aufmerksamkeit verdient

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Motiv: Grosse Halle des Hathor-Tempels von Dendera mit den berühmten Säulen
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Alt-Text: Hathor-Tempel von Dendera mit seinen reich verzierten Säulen

Dendera ist ebenfalls kein unbekannter Ort unter Ägyptenkennern, gehört bei einer klassischen Reise durch Oberägypten aber längst nicht so selbstverständlich zum Programm wie Karnak oder das Tal der Könige. Dabei ist der Tempel der Göttin Hathor ausgesprochen sehenswert und zudem bemerkenswert gut erhalten.

Der heutige Tempel entstand in ptolemäischer und römischer Zeit, wobei der heilige Ort selbst wesentlich älter ist. Besonders beeindruckend sind die Reliefs und die monumentale Decke. Der berühmte Dendera-Zodiak befindet sich heute im Louvre, vor Ort ist eine Kopie zu sehen.

Dendera ist damit ein schönes Beispiel dafür, dass „altägyptisch“ nicht automatisch „aus der Zeit der grossen Pyramiden“ bedeutet. Das pharaonische Ägypten war auch in der griechisch-römischen Epoche noch lebendig – und zwar erstaunlich lange. Wer den Tempel in eine Reise durch Oberägypten einbauen möchte, findet weitere Informationen zu 🟨 [Dendera und den Sehenswürdigkeiten rund um Luxor] in unserem entsprechenden Beitrag.

Die Weisse Wüste: Wenn die Wüste plötzlich weiss wird

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Motiv: Markante Kalksteinformationen der Weissen Wüste, möglichst bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang
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Alt-Text: Weisse Wüste in Ägypten mit bizarren Kalksteinformationen

Die Weisse Wüste gehört zu den Landschaften Ägyptens, bei denen man sich irgendwann fragt, ob die Natur hier nicht ein wenig übertrieben hat. Helle Kalksteinformationen stehen in der Wüste wie überdimensionierte Skulpturen und haben durch Wind und Erosion Formen angenommen, die an Pilze, Tiere oder riesige Fabelwesen erinnern können – je nachdem, wie viel Fantasie gerade zur Verfügung steht.

Besonders eindrucksvoll ist die Landschaft am frühen Morgen und am späten Nachmittag, wenn das Licht die weissen Felsen verändert und die Wüste plötzlich alles andere als eintönig wirkt. Wer eine Nacht dort verbringt, erlebt ausserdem eine Seite Ägyptens, die mit einem klassischen Badeurlaub ungefähr so viel gemeinsam hat wie ein Beduinenzelt mit einem Hotelbuffet.

Eine Reise in die Weisse Wüste ist allerdings kein spontaner Ausflug für einen freien Nachmittag. Entfernung, Fahrzeit und Organisation müssen stimmen, und gerade bei abgelegenen Zielen sollte die Planung zuverlässig sein.

Ägypten muss nicht immer nach Programm aussehen

Das Interessante an diesen Orten ist letztlich nicht, dass sie besonders geheim wären. Einige sind durchaus bekannt, andere werden von Ägyptenreisenden erstaunlich oft übersehen. Entscheidend ist vielmehr, dass sie unterschiedliche Seiten des Landes zeigen.

El Quseir erzählt von der Geschichte des Roten Meeres, St. Paul von der frühen christlichen Tradition Ägyptens, Dahschur von der Entwicklung der Pyramiden, Wadi El Gemal von Wüste und Beduinenkultur und die Unterwasserwelt vor Marsa Alam von einem Ägypten, das man erst sieht, wenn man den Kopf unter Wasser steckt. Dendera wiederum erinnert daran, dass die Geschichte der Pharaonen nicht mit den grossen Pyramiden aufgehört hat, während die Weisse Wüste zeigt, dass Ägypten auch landschaftlich weit mehr zu bieten hat als Strand und Palmen.

Wir empfehlen deshalb, bei der Reiseplanung nicht nur nach den zehn berühmtesten Sehenswürdigkeiten zu schauen. Die Klassiker gehören auf die Liste – aber ein oder zwei weniger offensichtliche Ziele machen eine Reise oft erst persönlich. Und manchmal ist gerade der Ort, von dem man vorher noch nie gehört hat, am Ende derjenige, von dem man zu Hause am meisten erzählt.